„Ich hab‘ getanzt heut Nacht, die ganze Nacht…“ philosophiert (m)ein Ballkleid

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Ein schöner Rücken kann auch… die zweite von links ist „meine“ Maturantin                            Fotos: ballguide, privat (UDZ)

Nun so ungefähr drei Wochen ist es schon her, dass ich eine ganze Nacht durchgetanzt hab… Allerdings kann ich erst jetzt mit tollen Fotos von mir aufwarten und ich sage euch eins: Ich hab mich so sau-, ja so pudelwohl  – um jetzt mal in der Tiersprache zu verweilen – gefühlt wie schon lange nicht mehr… Endlich wurde ich so irgendwann im Oktober aus dem Kasten geholt und zur Schneiderin gebracht… Aber das ist eine andere Geschichte… Nun wieder zurück zum Ball, dem Maturaball von einer der Töchter meiner Besitzerin und der war… gorgeous – kann man wirklich nur sagen: die Location, die Band, die Deko… naja aber vor allem diese entzückenden jungen Damen und Herren… einem Märchen gleich, das allerdings „Ma(mma)tura – ABBA was dann?“ hieß… Also nochmals ganz von vorne: Vor etwas mehr als drei Jahren wurde ich genäht, dh. eigentlich wurde ich im Kopf entworfen, schließlich auch gezeichnet und danach genäht – designed eigentlich, aber es soll nicht hochtrabend oder so klingen, sondern – wir wollen vorerst mal am Boden (der Tatsachen) bleiben. 🙂 Außer beim Tanzen natürlich, da darf auch geschwebt werden bzw. mit einem kleinen feinen Damenspitz, da auch… aber lassen wird das jetzt, vorerst.

stoffe

Nun, nachdem ich zu diesem speziellen Anlass dem Maturaball (für unsere bundesdeutschen Leserinnen: das ist gleichbedeutend dem „Abi-Ball“) genäht worden war, musste ich nun mit Nadel und Faden sowie ergänzt mit weiterem Stoff in Form von Spitze geändert werden. Sowohl das diesjährige Ballmotto, als auch die ein wenig 😉 veränderte Figur meiner Trägerin machten diese zweifellos gelungene und gar nicht als solche angesehene Korrektur nötig… Anyway. Ich fühle mich blendend so wie ich bin! Und am Abend bzw. eigentlich schon am späten Nachmittag des großen Tages war es dann auch so weit: meine selbstverständlich frisch geduschte und duftende Trägerin schlupfte in mich, logischerweise war sie auch schon geschminkt – nicht arg, aber dennoch so, dass sie mich mit eine wenig Farbe anpatzen hätte können. Aber: Sie war vorsichtig genug und so litt weder ihre tolle Frisur, noch mein Stoff, als sie sozusagen von oben in mich stieg und mich anzog und – selbstverständlich mittels wertvoller Hilfe ihrer älteren Tochter („prom 2014“) – mir den Reißverschluss schließen ließ… Meine Trägerin, vielmehr auch meine Besitzerin und ich – also wir – sind so ein kongeniales Duo, dass man meinen könnte, wir seien füreinander gemacht… Apropos den Link zur „weltbesten Schneiderin von Graz“ findet ihr im Anschluss!

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Tja und schon ging es nach kurzer Stärkung / Labung durch Champagner – selbstverständlich zur Feier des Tages – und Brötchen mit einem Taxi (tja auch nur zur Feier des Tages!) an den Ort des Geschehens: die Grazer Seifenfabrik, die wie der Name schon sagt… zwar eine ehemalige Fabrik ist, aber derzeit eine mehr als bloß hippe Location für Veranstaltungen aller Art.

Dort angekommen musste ich mich mal heftig gegen Wind und Wetter wehren und durfte nach einer kurzen Unterbrechung am Punschstand auch endlich hinein ins warme, übrigens sehr warme (bin ich froh, dass ich kein Smoking bin – wäre übrigens aufgrund meiner Farbe und auch meines Stoffes wohl eher unüblich, aber wer weiß…). Den Augen meiner Trägerin bot sich ein wunderbarer An- bzw. (viel mehr noch) Ausblick: Kam ihr doch im von den MaturantInnen selbst wirklich toll dekorierten Eingangsbereich gleich mal die eigene Tochter entgegen. Wunderbar, zauberhalft, elfengleich… bildhübsch, aber nicht nur sie, auch die anderen jungen Damen und Herren, die man ja sonst eher in der Jeans-Hoodie-Kombination trifft, sahen umwerfend aus, machten gute Miene zum (nicht bösen, aber schon) ungewöhnlichem Spiel und begleiteten die jeweiligen Familien und weitere Gäste zu den ihren Plätzen. Welche sich natürlich in einem ebenso wohl dekorierten und feinen Ambiente befanden und hier wurde erstmals wieder bewusst – der Puls meiner Trägerin war bereits relativ hoch – warm ist es hier und vor allem warmherzig und wunderschön mit den „Motto-Fotos“ unserer Kinder geschmückt. Ein Augenschmaus jedenfalls. Dass es auch ein Genuss für die Ohren wurde, verdanken wir der Bandauswahl unserer MaturantInnen.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit – ich spürte, meiner Trägerin war es trotz feinster Dupion-Seide schon heiß – genossen die Ballgäste endlich eine wundervolle Polonaise mit verschiedenen Abba-Hits. Tja das Motto entsprach wohl auch ganz der Jugendzeit der Elterngeneration, kannte man die Hits doch meist persönlich aus seiner eigenen Jugend- oder jungen Erwachsenenzeit und summte und sang bekannte Textpassagen einfach mit. Nicht gerade bei der Polonaise, doch später und spätestens bei der ebenfalls völlig geglückten toll choreographierten Mitternachtseinlage.

Der Abend nahm also trotz anfänglicher Nervosität meiner Trägerin – wird wohl niemand bei der Polonaise patzen? Hoffentlich ist die süße „Kleine“ nicht (zu) nervös? – einen angenehmen Verlauf. Auch das ein oder andere Gläschen Wein trugen zu einer heiter ausgelassenen Stimmung bei.

Ein (Nahezu-)WUNDER geschah: Meine stolze Besitzerin fand sich sogar mit älterer Tochter und einigen anderen Familienmitgliedern auf der Tanzfläche wieder, wo zu Abba-Hits ordentlich geshaked wurde, ich meinen weiten Rock schwingen konnte und mir schon fast schwindelig wurde. Aber eben nur fast, denn ICH selbst trinke ja keinen Alkohol nicht mal Champagner und angepatzt wurde ich Gott sei Dank auch nicht.

DAS kleid

Hin und wieder wurde ich bewundert und gelobt und auch ein wenig angefasst, einmal sogar gelobt, dass ich nicht Zuviel, aber gerade richtig verhülle (kaschiere hat wohl niemand gesagt, vielleicht sich’s ja jemand gedacht? 😉 ). Freilich mag meine Besitzerin nicht irgendwelche Hände auf ihrem Kleid, also mir; geschweige denn auf ihrem Körper, allerdings gibt es im selben Stoff auch eine Stola, die dafür herhalten musste… den feinen Stoff, die Dupion-Seide, die meine Besitzerin zu meinem Entstehen eigens aus Wien schicken ließ, zu befühlen/anzugreifen.  Apropos Berührungen: nicht nur ein tätliches Berühren, auch so mancher Blick mag durchaus bereits ein bisschen ausziehend sein… Aber lassen wir auch hier die Toleranz die Oberhand behalten… 😉

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Während ich mich nach der Mitternachtseinlage bereits ein wenig nach meinem Kleiderhaken und einer Verschnaufpause sehnte, gab die Trägerin meiner Wenigkeit durchaus noch „Gas“. Spazierte mit nur locker übergeworfenem Mantel durch den (Schnee-)Regen… Hmm? Was jetzt wohl noch komme mag / kann, fragte ich mich da schon? Denn Regen tut mir schon mal per se gar nicht gut… Aha wir reisen weiter, weiter geht’s in die Stadt in ein sogenanntes Übergangslokal. Hier hätte ich nicht mehr her müssen: Rauch, zu viele Leute auf zu wenig Raum – für meine Besitzerin letztlich wohl auch. Allerdings: Es ist ohnehin schon halb vier… wohl auch etwas über der üblichen „Sandmännchen-Zeit“ und außerdem: Die jungen Leute, die nun endlich feiern können – all ihre Arbeiten, wie Blumen- und Kuchenverkauf, die Tombola betreuen etc. sind getan, sie haben es sich wirklich redlich verdient! – wollen auch einmal ihre Ruhe haben.

Also schwinge ich mich mitsamt meiner Besitzerin ins Taxi nach Hause, lasse mich von ihrem Körper gleiten und werde – Dankeschön – an einem Haken in die kalte Novembernachtluft gehängt… Hmmm, tief durchatmen – das tut gut. Jetzt schlaf ich mich mal richtig aus, bevor es in eine Putzerei (Chemische Reinigung) und auf den nächsten Ball geht!

Danke fürs Begleiten und die rauschende Ballnacht – Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!*

Xoxo

Ullis Ballkleid

 

(c) made by Renate Hochhuber, Celij

3 Gedanken zu “„Ich hab‘ getanzt heut Nacht, die ganze Nacht…“ philosophiert (m)ein Ballkleid

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