Muttertag, die erste… Danke Mama für dein Sein

Die Auseinandersetzung mit einem Beitrag wie diesem macht mir das Leben oder auch einfach diesen Abend nicht gerade leicht. Und ich schreibe diesen Blogpost nicht etwa deshalb, weil ihr alle grad so wunderbare Muttertagsbeiträge  verfasst, sondern weil ich es ihr einfach schuldig bin: Dieses späte DANKE für ALLES und dieses Zurückblicken auf die Existenz einer wunderbaren Frau, Mutter und Oma – meiner Mama, der „Ente-Oma“* meiner beiden Töchter, ihrer geliebten Enkelkinder.

grab 2 ganz
Es wär IHR wichtig gewesen, ein schönes Grab zu haben… deshalb schauen wir drauf – nicht nur zu Muttertag (Fotos und Repro: Ulrike Drexler-Zack)

Keine Sorge, dieser Beitrag soll kein Nachruf werden – zu lange ist es schon her (Mama starb in den Abendstunden des 19. Juni 2005, einen Tag nach dem achten Geburtstag von Stephi (meiner älteren). Diese Zeilen sollen und wollen (auch mich selbst!) erinnern, wie meine Mutter, ein sogenanntes Kriegskind (geboren 1928), uns geprägt hat.

Seltsam, wie oft ich mich eigentlich dabei ertappt fühle, damit zu beginnen zu reden wie sie, zu denken wie sie und vor allem auch zu fühlen wie sie. Das fängt beim „Kommt´s gut wieder heim“ (wenn die Kinder (ver)reisen)) an und endet beim Gefühl, meine Kinder sind das beste, was mir je passieren konnte, ja passiert ist. Das ist aber auch das (Er-)Kennen der Situation, wie sie als Alleinerziehende (mein Papa starb als ich knapp 14 war) immer „ihren Mann gestanden ist“ und nicht nur geschaut hat, wo das Geld zum Leben herkommt, sondern auch, dass es mir an nichts fehlt.

Mama war als Mensch vor allem eines: kämpferisch. Das musste sie auch sein, da sie (noch mit meinem Papa) in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Geschäft eröffnet hatte. Als Frau war sie – sicher sehr untypisch für die damalige Zeit – IMMER berufstätig und wirklich immer für ihr Geschäft da. Eine sogenannte Powerfrau. Damals durchaus ein wenig schief angeschaut oder gar belächelt (eine Frau, die trotz Kind arbeiten muss…) wäre man heute wahrscheinlich geneigt, sie als Vorzeige- und Paradebeispiel für „alles unter einen Hut bringen“ zu sehen.

Da es sich bei dem Geschäft um ein Blumengeschäft handelte, stand sie bisweilen auch sonntags darin. Nicht nur, weil es ihr so wahnsinnigen Spaß machte, sondern weil es das Unternehmertum gerade  bei einem Kleinbetrieb wie dem ihren ganz einfach von ihr verlangte. Oft gab es Sonntage, wo sie sich einige Stunden in ihren kleinen, aber feinen Laden begab, um für montags (zB Kränze vorzubereiten) und dennoch kam sie erst einige Stunden danach wieder zurück. Man hatte sie im Geschäft gesehen, ja nahezu erspäht, und prompt noch schnell ein paar Blumen – für die Mittagessenseinladung etc. – gekauft. Stand die Geschäftstür mal offen, kam sie gar nicht mehr so schnell zum Zusperren und ehe man sich versah, waren die nächsten Kunden da. Denn auch Nein sagen konnte sich durchaus schlecht…

mama jung
3 mal dürft ihr raten… 😉 ganz links – DAS war sie in ihren jüngeren Jahren

Für mich war es als Kind und noch dazu später als – sagen wir mal – jugendlicher Rebell oft überhaupt nicht nachvollziehbar, wie man so ein „Workaholic“ sein kann… aber Jahre später begriff ich, dass das Betreiben dieses Geschäfts eben auch die wirtschaftliche Grundlage für unsere Existenz ausmachte, uns einen gewissen Wohlstand bescherte und nicht zuletzt meine Ausbildung sicherte.

Meine Teenagerzeit war für uns beide nicht leicht: Ich war schlecht in der Schule, hatte mit noch nicht mal ganz 14 Jahren den geliebten Vater verloren und stellte alles und jedes in Frage. Mode war mir sehr wichtig und natürlich gab es auch hin und wieder die berühmten Ausgeh-Diskussionen. Was bestimmt ein herber Schlag für meine Mama war, war ein Autounfall, den ich selbst verschuldet hatte und zwar drei Tage vor Weihnachten mit dem Firmenauto meiner Mutter.

Wenn ich jetzt dran denke, wird mir richtig mulmig, denn bald wird meine „kleine“, die jüngere mit meinem Auto dahindüsen. Das einzige, was Mama damals sagte: „Gut, dass dir nichts passiert ist.“ Dafür danke ich ihr heute noch, denn das Auto hatte einen Totalschaden und man konnte wirklich nur von Glück reden, dass weder ich selbst noch irgendjemand anderer dabei körperlich zu schaden kam.

Mama war kein vorwurfsvoller Mensch und vor allem nicht nachtragend. Wenn wir stritten, dass beinahe die Fetzen flogen – Hilfe, ich ertappe mich jetzt dabei nahezu auszuflippen, wenn meine Töchter die Türen so schlagen, dass beinahe der Türrahmen Schaden nimmt 😉 – versöhnten wir uns dennoch innerhalb kurzer Zeit. Nicht böse schlafen gehen oder zumindest nicht böse auseinander gehen war hier immer ihre Devise.

Eine einzige Sache, die ich Mama nicht verzeihen konnte und wohl bis heute noch immer nicht kann, da ich sie nur äußerst schwer verwinden konnte, ist jene, dass sie früh – zu früh und zu jung – von uns gegangen ist.

Ganz still und ganz leise – wie es sonst zeitlebens (denn sie war auch ein sehr impulsiver, mitunter aufbrausender Mensch) nicht ihre Art war – ist sie in einer Nacht, vermutlich sogar schon in den späteren Abendstunden, aber bereits zur Bettruhe begeben (frisch gewaschen und im Nachthemd) in ihrem eigenen Bett entschlafen. Friedlich sah sie aus und was ich davor in meinem Leben niemals musste, tat ich hier erstmals: ich betete (nicht weil ich glaube, sondern weil´s ein Ritual ist) am Fußende ihres Bettes ein Vater-unser.

Die Erinnerung, die wir an sie haben, ist nicht nur sehr stark und wird besonders einen Tag nach dem Geburtstag meiner älteren Tochter – ihrem Sterbetag – präsent: Als ich für die Geburtstagsfeier von Stephi die Muffins mit Schokolade glacierte, hatte sie angerufen, um ihrer Enkelin ein schönes Fest zu wünschen. Darüber hinaus sagte sie  – wir hatten damals noch ein Festnetztelefon mit fixem „Standplatz“: „Brauchst die Mama, wenn sie grade die Muffins vorbereitet, jetzt nicht extra ans Telefon holen, bei mir ist eh alles in Ordnung…“ Erst am nächsten Tag, nach ihrem Tod, stellten wir fest: meine damals gerade achtjährige Tochter war also die letzte gewesen, mit der sie gesprochen hatte.

mama und stephi
Stephi und „Ente“ mit Blumen zu Stephis Geburtstag

Wir danken unserer „Ente“ für ihr Dasein – für uns lebt sie weiter, nicht nur wenn wir ihr Grab pflegen und dort eine Kerze anzünden!

Eure etwas wehmütige und doch unendlich dankbare

Ulli

Fortsetzung folgt

*Den Spitz-/Kosenamen erhielt sie  deshalb, weil sie meiner Stephi als diese etwa eineinhalb Jahre alt war, eine Ente aus Holz zum Nachziehen mitgebracht hatte.

7 Gedanken zu “Muttertag, die erste… Danke Mama für dein Sein

  1. Lieber Ulli☀️
    wieder ein wunderbarer Blog Post, der mich diesmal sehr berührt….
    ich habe Tränen in den Augen, weil mich die Erinnerung an meine geliebte Mutti (meine beste Freundin) einholt….
    Ich habe sie vor 15 Jahren verloren, da war ich immerhin schon 52, sie 82 und für mich war es trotzdem viel zu früh 😭
    Deshalb verstehe ich DiCH nur zu gut, denn dU warst noch um einiges jünger u deine Mama auch😢
    Noch dazu, wo dU deinen Papa auch so früh verloren hast….
    Was mir dabei so nahe gegangen ist
    (mein Vati ist 3 Jahre vor meiner Mutti verstorben)
    So und jetzt bist dU kein Kind mehr😭
    Jetzt bist dU erwachsen, so blöd das klingt, ich war ja „52“da sollte man es eigentlich sein….
    Ich spreche heute noch mit meiner Mutti, das wird sich sicher nie ändern😉
    Ulli, ich umarme DiCH😘
    💛lichst 11ie🌼🌼🌼

    Gefällt 1 Person

    1. liebe 11ie,
      danke für deine sehr wertschätzenden zeilen sowie auch deine Offenheit! Andererseits: solchen dingen und Schicksalsschlägen überhaupt kann man wohl nur mit offenen Herzen begegnen. Ich habe dazu einmal einen guten spruch (leider weiß ich nicht mehr von wem und kann daher die Quelle nicht angeben!) gelesen: … das schöne ist, dass ein gebranntes Herz ❤ immer warm bleibt!
      ich umarme und drücke auch dich
      ulrike

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  2. Liebe Ulli,
    ein sehr herzlicher und ehrlicher Post Deiner Gefühle und Gedanken! Behalten den Mut, auch über Dinge zu schreiben über welche man nicht spricht. Ich bin mir sicher, Deine Mama schaut jeden Tag auf’s neue vom Himmel herab und ist stolz auf euch! Auf Dich und Deinen 2 tollen (auch wenn sie schon erwachsen sind) Mäuse.
    Herzlichst
    Dani

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